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Farbmagie Kunstverein Leimen 2012

Ausstellung Johanna Hess 01.04.2012

Farbmagie im Kunstverein Leimen

Johanna Hess ist in .Heidelberg geboren. Ihr Studium absolvierte sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Nanu schon wieder ein Absolvent von Karlsruhe, wird sich manch ein Ausstellungsbesucher fragen.

Aber ich versichere Ihnen, dass dies reiner Zufall ist. Zuerst sah ich die Malerei und erst danach habe ich mir den Lebenslauf von Johanna Hess angeschaut. Sie gehört scheinbar einer Generation von Malern an, die in der Akademie Karlsruhe eben die Beste im Angebot sahen.

Farbmagie oder wie es der Titel in einem kleinen Katalog von Johanna Hess verheißt: "In Farbe Schwelgen", beides mag Sie darauf vorbereiten, was Sie erwartet.

Johanna Hess war zwar Meisterschülerin von Wilhelm Loth (verstorben
1993), der in erster Linie als Bildhauer zu nennen ist.

Sie hat sich jedoch von Gips und Ton befreit und sich ganz und gar
der Farbe verschrieben.

Kunstgeschichtler neigen gerne dazu irgendwelche Beispiele aus dem Zeitritt durch die Geschichte zu präsentieren um ja, um was denn?

Um Gesagtes wichtig erscheinen zu lassen?
Um den Worten Bedeutung zu geben?
Oder um Kenntnis der Materie zu geben?

Natürlich gibt es sehr viel Theoretisches über die Farbe - Forschungsergebnisse
aus Physik, Mathematik, Musik, Psychologie wollten und wollen dem Wesen der Farbe auf den Grund gehen.

Maler wie z.B. Jörg, Newman, Rothko und viele andere, die sich der Farbfeldmalerei verschrieben haben, haben sich sicher dafür interessiert und diese Erkenntnisse auch für sich genutzt. Für Johanna Hess braucht es keine Vergleiche.

Die Bilder von Johanna Hess bilden nichts ab, sie erzählen keine Geschichte.

Farben werden gleichsam schwebend, wie im sphärischen Raum in die eine Fläche komponiert. Es gibt kein oben und kein unten im räumlichen Sinn, keine mimetische Zuordnung.

Fragen nach dem Verhältnis von Farbe zum Raum, zum Licht,
Fragen nach dem Ausloten,
Fragen nach den verschiedenen Möglichkeiten Bewegung und Ruhe auszudrücken,
diese Fragen "nur" mit dem Thema Farbe zu beantworten, erfordert konzentrierte Arbeit.
Um es noch mal zu wiederholen, Thema jedes Bildes ist die Farbe
selbst.

Die Wahrnehmung von Raum ist nicht mehr an ein perspektivisches System gebunden. Durch das Durchscheinen der Leinwand ist ein numinoser Raum erahnbar, der das Licht in metaphysischen Sinn passieren lässt:

Farbbälle stoßen aufeinander,
durchdringen transluzid einander,
treten in Konkurrenz miteinander, trennen sich voneinander, um sich an anderer Stelle wie ein Lichtball als neue Farbe zu generieren.


Johanna Hess geht es nicht um den Widerspruch zwischen physikalischem Faktum und psychologischen Aspekt, wenn sie schillernde Vieldeutigkeit der Farbe und simple Formen zu einer Wechselwirkung der Farben verhilft, sondern es geht ihr um das intonieren einer Melodie, einer Farbwelt aus der Stimmung heraus.

Aber nichts geschieht zufällig. Duktus von Pinsel, Bürste oder Spachtel ist gewollt und bleibt sichtbar. Ihre Experimentierfreude Farben in Harmonie oder Disharmonie zu stellen ist bemerkenswert. Bei der Farbschichtung und der Auslotung des Eigenlichts einer Farbe hinterlässt jede Farbe Spuren in der anderen, aber nichts vermischt sich.

Kein Bild ist reproduzierbar.

Wie aus einer Art "Ursuppe" entsteht jedes Mal ein neues Farbportrait aus der Stimmung heraus.

Noch eine Bemerkung zu den Titeln. Wie mir die Künstlerin lächelnd mitteilte, gäbe es da in ihrer Gegend so eine Firma namens HARIBO und deren Produktpalette sei sehr inspirierend.

Letztendlich kann jeder Titel nur von der Künstlerin gedeutet werden, jeder andere Betrachter wird sich seinen eigenen Titel suchen müssen, denn jedes Bild geht von keiner sichtbaren Wirklichkeit aus, und jeder wird sein Lieblingsbild finden in der poetischen Farbmagie der Johanna Hess.

© Karin Gelse-Voigt (Kunsthistorikerin MA)